In den weichen Tuff Kappadokiens sind nach offizieller Schätzung 150 bis 200 unterirdische Siedlungen gegraben worden – Fluchtorte mit Ställen, Vorratsräumen, Weinpressen, Kirchen und tonnenschweren Rollsteintüren. Für Besucher erschlossen sind vor allem Derinkuyu (die tiefste, rund 85 m) und Kaymaklı (die weitläufigste), dazu die kleineren Anlagen Özkonak, Mazı und Tatlarin. Man besucht sie auf eigene Faust, per Mietwagen oder im Rahmen der klassischen »Green Tour« ab Göreme.
- TicketsKein Vorlauf nötig.
- Preis13 € – Derinkuyu – ausländische Besucher ab 8 Jahren (kein Kinder- oder Studentenrabatt)
- GeöffnetAlle fünf staatlichen Anlagen sind täglich geöffnet, ohne Ruhetag.
- Beste ZeitIn der ersten Stunde nach Öffnung (ab 8 Uhr) oder nach 14 Uhr.
- PlatzangstDer entscheidende Punkt.
Die unterirdischen Städte im Vergleich
Derinkuyu
Die tiefste erschlossene Anlage: laut Kulturministerium rund 85 m tief, mit Ställen, Vorratsräumen, Speisesaal, Weinpresse, einer sogenannten Missionarsschule mit Tonnengewölbe im 2. Untergeschoss und einer kreuzförmigen Kirche ganz unten. Ein 55 m tiefer Schacht diente zugleich als Lüftung und Brunnen.
Nur etwa 10 % der Anlage sind begehbar. Nach dem 3./4. Geschoss führt ein langer, niedriger Treppengang direkt in die Tiefe – die körperlich und psychisch anstrengendste Passage aller kappadokischen Anlagen. Seit 1965 für Besucher geöffnet. Einzige Anlage mit offiziell ausgewiesenem Abendbetrieb (19–21 Uhr).
13 € (Ausländer ab 8 Jahren), im Museum Pass Cappadocia enthalten
Kaymaklı
Die flächenmäßig größte unter den erforschten Anlagen, antiker Ortsname Enegüp. Vier Geschosse sind freigelegt und beleuchtet; die Räume gruppieren sich um die Lüftungsschächte. Highlight im 3. Geschoss: ein Andesitblock mit 57 eingearbeiteten Mulden, der zum Zerstoßen und Mahlen diente, dazu Küchen, Weinpressen und auffallend viele Vorratsräume.
Weniger tief, dafür verwinkelter als Derinkuyu; die Gänge sind niedriger, enger und stärker geneigt, aber kürzer. Die Dorfbewohner nutzen Teile des Tunnelsystems bis heute als Keller und Ställe. Seit 1964 geöffnet, 20 km ab Nevşehir – damit die am leichtesten erreichbare Anlage.
13 € (Ausländer ab 8 Jahren), im Museum Pass Cappadocia enthalten
Özkonak
Kleine, zweigeschossige Anlage 14 km von Avanos am Nordhang des İdiş Dağı, 1972 von einem Bauern entdeckt und im selben Jahr geöffnet. Tunnel, Rollsteintüren, Stall und Weinpresse auf engem Raum.
Verteidigungstechnik, die es so in Derinkuyu und Kaymaklı nicht gibt: Löcher über den Gängen, durch die man Angreifer von oben bekämpfen konnte, und enge Röhren zwischen den Ebenen, die als Sprech- und Lüftungsverbindung dienten. Deutlich weniger Andrang – gute Wahl, wenn man im Norden (Avanos, Göreme) wohnt und nur einen kurzen Eindruck möchte.
6 € (Ausländer ab 8 Jahren), im Museum Pass Cappadocia enthalten
Mazı
Antik Mataza, 18 km südlich von Ürgüp und 10 km östlich von Kaymaklı. Vermutlich vier Geschosse, begehbar sind zwei. Vier Eingänge sind bekannt; der Hauptzugang führt durch einen gemauerten Korridor mit großem Rollstein, dahinter weitläufige Ställe und eine Kirche, deren Eingang sich ebenfalls mit einem Rollstein verschließen ließ.
War wegen Einsturzgefahr ab 2003 gesperrt und ist erst seit Juli 2015 wieder offen – viele ältere Reiseführer führen Mazı deshalb noch als geschlossen oder gar nicht. Kaum Busgruppen, ursprünglicher Eindruck.
3 € (Ausländer ab 8 Jahren)
Tatlarin
1975 entdeckt, seit 1991 teilweise zugänglich; liegt auf einem Hügel, den die Dorfbewohner »Kale« (Burg) nennen. Zwei gereinigte Geschosse sind begehbar, der Zugang führt durch einen 15 m langen Tunnel in einen großen Saal mit Rollstein.
In einer Nische des Eingangssaals wurden drei Skelette gefunden; man vermutet eine römerzeitliche Grablege oder einen Kerker, die in byzantinischer Zeit zu Vorratsgruben umgebaut wurde. Abgelegen westlich von Nevşehir bei Acıgöl – praktisch nur mit Auto.
kostenlos (Stand 09/2026)
Kayaşehir unter der Burg von Nevşehir
2014 bei Abrissarbeiten für ein Stadterneuerungsprojekt am Burghügel von Nevşehir entdeckte Felssiedlung mit Tunneln, Felsräumen und Wohnbereichen. Betreiber ist die Stadt Nevşehir, nicht das Kulturministerium.
Wird in türkischen Medien gern als »größte unterirdische Stadt der Welt« bezeichnet – das ist eine Hochrechnung, keine vermessene Tatsache. Laut Wikivoyage seit 2024 für Besucher geöffnet und bislang deutlich ruhiger als Derinkuyu und Kaymaklı. Mitten in der Stadt, also auch ohne Auto erreichbar.
laut Reiseportal 50 TL für Ausländer (ca. 0,90 €) – nicht offiziell bestätigt; nicht im Museum Pass
Tickets und Preise
Kein Vorlauf nötig. Die Produktseiten auf muze.gov.tr verweisen für Derinkuyu und den Museum Pass Cappadocia selbst auf den Kauf an der Kasse.
Offizielle Preise
- Derinkuyu – ausländische Besucher ab 8 Jahren (kein Kinder- oder Studentenrabatt)13 €
- Kaymaklı – ausländische Besucher ab 8 Jahren13 €
- Özkonak – ausländische Besucher ab 8 Jahren6 €
- Mazı – ausländische Besucher ab 8 Jahren3 €
- Tatlarin – alle Besucherkostenlos
- Ausländische Kinder unter 8 Jahren (alle Anlagen)kostenlos
- Museum Pass Cappadocia – 3 Tage, mehr als 10 staatliche Museen und Stätten in den Provinzen Nevşehir und Aksaray65 €
- Zum Vergleich: türkische Staatsbürger (Derinkuyu, Kaymaklı, Özkonak, Mazı)200 TL (ca. 3,60 €)
- Kayaşehir unter der Burg von Nevşehir (städtisch) – Ausländer, laut Reiseportal, nicht offiziell bestätigt50 TL (ca. 0,90 €)
Stand 09/2026 · Quelle und Direktbuchung: muze.gov.tr/muze-detay?DistId=DKY&SectionId=DKY01
Wenn alles ausgebucht ist
Es gibt keine Kontingente; Tickets sind immer zu haben. Das Problem ist nicht der Ticketkauf, sondern der Stau in den einspurigen Gängen, wenn zwischen etwa 11 und 14 Uhr die Tourbusse eintreffen.
Grüne Tour und Touren zu den unterirdischen Städten
Die unterirdischen Städte liegen abseits von Göreme. Die „Grüne Tour“ verbindet eine der Städte mit dem Ihlara-Tal – meist der einfachste Weg ohne Mietwagen.
Kappadokien: Geführte Grüne Tour mit optionalem Mittagessen und Ticket
Kappadokien: Grüne Kleingruppentour mit unterirdischer Stadt
Kappadokien: Grüne Tour mit optionalem Mittagessen und Tickets
Kappadokien: Unterirdische Städtetour mit Tälern und Töpferwerkstatt
Alle 8 Angebote zeigen
Buchung über GetYourGuide (Partnerlink, Werbung). Meist kostenlos stornierbar bis 24 Stunden vorher. Preise Stand 19.09.2026.
Öffnungszeiten und beste Zeit
Alle fünf staatlichen Anlagen sind täglich geöffnet, ohne Ruhetag. Laut dem offiziellen Museumsportal turkishmuseums.com gilt für Derinkuyu, Kaymaklı, Özkonak und Mazı: Sommer (1. April bis 1. Oktober) 08:00–19:00 Uhr, Kassenschluss 18:15 Uhr; Winter (1. Oktober bis 1. April) 08:00–17:00 Uhr, Kassenschluss 16:15 Uhr. Tatlarin: 10:00–17:00 Uhr (Winterzeile dort 08:00–17:00), Kassenschluss 16:15 Uhr. Das zweite offizielle Portal muze.gov.tr nannte am 19.09.2026 abweichend für Derinkuyu 08:00–18:45 Uhr und für Kaymaklı 08:00–20:00 Uhr (Kasse bis 19:15). Zusätzlich führt muze.gov.tr für Derinkuyu einen Abendbetrieb (»Gece Müzeciliği«) von 19:00 bis 21:00 Uhr, Kasse bis 20:15 Uhr – dafür gelten die Museumspässe nicht. Faustregel: spätestens 45 Minuten vor Schließung an der Kasse sein.
Wann es am ruhigsten ist
In der ersten Stunde nach Öffnung (ab 8 Uhr) oder nach 14 Uhr. Dazwischen, besonders 11–14 Uhr, schieben sich die Green-Tour-Gruppen durch die Gänge, und an den Engstellen entstehen Wartezeiten unter Tage – für Menschen mit Beklemmungsgefühlen die unangenehmste Situation. Jahreszeitlich sind April bis Juni und September/Oktober ideal; im Hochsommer sind die 13 °C unten eine willkommene Abkühlung, im Winter ist es unter der Erde wärmer als draußen, dafür schließen die Anlagen schon um 17 Uhr.
Für wen geeignet?
Mit Kindern
Für Schulkinder ein Abenteuer, weil sie in den niedrigen Gängen aufrecht gehen können. Kleinkinder müssen getragen werden; Rückentragen stoßen an der Decke an. Unter 8 Jahren ist der Eintritt für ausländische Kinder frei.
Mindestalter
Kein Mindestalter.
Rollstuhl
Nicht zugänglich. Steile Treppen, unebener Fels und Gänge, die nur gebückt passierbar sind.
Kinderwagen
Unmöglich – am Eingang bzw. im Auto lassen.
Hunde
Keine Angabe der Betreiber gefunden; in staatlichen türkischen Museen sind Tiere üblicherweise nicht erlaubt.
Platzangst
Der entscheidende Punkt. Die Verbindungsgänge sind absichtlich niedrig, eng und geneigt gebaut, damit Angreifer nur einzeln und gebückt vorankamen. Das offizielle Portal beschreibt die Gänge von Kaymaklı als niedrig, schmal und abschüssig; in Derinkuyu muss man auf den langen Treppengängen in die Tiefe über viele Meter gebückt gehen, und bei Gegenverkehr kommt man nicht aneinander vorbei. Wer schon im Eingangsbereich ein ungutes Gefühl hat, sollte nicht weiter absteigen. Auch bei Rücken- oder Knieproblemen ist der lange Gang in der Hocke kritisch.
Kleidung
Unten herrschen ganzjährig etwa 13 °C – im Sommer eine dünne Jacke mitnehmen. Feste Schuhe mit Profil (glattgetretener Tuff), keine sperrigen Rucksäcke, nichts Helles anziehen: Man streift ständig an Wänden und Decke entlang.
Fotografieren
Private Fotos sind üblich und werden geduldet; eine offizielle Regelung zu Stativ oder Blitz wurde nicht gefunden.
Anreise
Mit Bus und Bahn
Von Göreme gibt es keine Direktverbindung. Erst per Dolmuş nach Nevşehir, dort umsteigen in den Minibus Richtung Niğde/Derinkuyu, der an der Straße D765 zuerst in Kaymaklı (ca. 20 km) und dann in Derinkuyu (ca. 30 km ab Nevşehir) hält. Wikivoyage nennt einen etwa viertelstündlichen Takt und einen Fahrpreis von 70 TL (ca. 1,25 €) nach Kaymaklı (Stand 09/2025). Rückfahrten werden nachmittags dünner – vor Ort nach dem letzten Bus fragen. Özkonak liegt 14 km hinter Avanos, Mazı 18 km südlich von Ürgüp, Tatlarin bei Acıgöl: alle drei sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln kaum sinnvoll erreichbar.
Mit dem Auto
Mit dem Mietwagen unkompliziert: ab Nevşehir auf der D765 Richtung Niğde. Kaymaklı, Özkonak und Tatlarin haben laut offiziellem Portal einen Parkplatz; in Derinkuyu parkt man im Ort nahe dem Eingang. Kaymaklı und Derinkuyu liegen rund 10 km auseinander und lassen sich an einem Vormittag kombinieren, Mazı liegt 10 km östlich von Kaymaklı.
Ab der nächsten Stadt
Ab Nevşehir 20 km bis Kaymaklı und 30 km bis Derinkuyu; ab Göreme kommt die Strecke bis Nevşehir hinzu. Die bequemste Variante ohne Auto ist die »Green Tour« (Tagestour in den Süden: eine unterirdische Stadt – meist Derinkuyu, manche Anbieter Kaymaklı –, Ihlara-Tal, Selime-Kloster, Taubental; ca. 7–8 Stunden, inklusive Eintritten, Mittagessen und Hotelabholung; 2026 je nach Anbieter ab etwa 40–75 €).
Tipps für den Besuch
- Nur eine Stadt einplanen? Derinkuyu für das Tiefen-Erlebnis (und nur ohne Platzangst), Kaymaklı für mehr Räume, mehr zu sehen und kürzere Engstellen. Der Eintritt ist mit 13 € identisch.
- Um 8 Uhr da sein oder nach 14 Uhr kommen. Die Green-Tour-Busse treffen ab etwa 11 Uhr ein; dann steht man in den Einbahn-Gängen buchstäblich in der Schlange – unter der Erde.
- Museum Pass Cappadocia (65 €, 3 Tage) nur kaufen, wenn ohnehin Göreme-Freilichtmuseum, Zelve, Ihlara-Tal und mindestens eine unterirdische Stadt auf dem Plan stehen. Für Derinkuyu plus Kaymaklı allein (26 €) lohnt er sich nicht. Die Dunkle Kirche in Göreme kostet trotz Pass extra.
- Den Pass nicht mit der Müzekart verwechseln: Die günstige Müzekart ist türkischen Staatsbürgern vorbehalten. Für Touristen gibt es nur die MuseumPass-Varianten (Cappadocia, Türkiye).
- Bei der Green Tour vor der Buchung fragen, welche unterirdische Stadt angefahren wird (Derinkuyu oder Kaymaklı) und wie lange man dort bleibt – meist sind es nur 45–60 Minuten zur vollsten Tageszeit.
- Wer unsicher ist, ob er Enge verträgt: erst Özkonak (6 €) oder Mazı (3 €) ausprobieren. Beide sind klein, fast leer und man ist in wenigen Minuten wieder draußen.
- Leichtes Gepäck: Tagesrucksack vorn tragen oder im Auto lassen, Kamera am kurzen Gurt. Kopf einziehen – Tuff ist weich, aber die Decke gewinnt trotzdem.
- Mit öffentlichem Bus: früh starten und in Derinkuyu beginnen (die weitere Strecke), auf dem Rückweg in Kaymaklı aussteigen. So ist man beim dünner werdenden Nachmittagsverkehr schon näher an Nevşehir.
Was oft falsch im Netz steht
Diese Zahl ist eine unbelegte Schätzung, die von Reiseseite zu Reiseseite kopiert wird; die Spannbreite der veröffentlichten Schätzungen reicht von 3.000 bis 50.000. Das Kulturministerium nennt gar keine Zahl. Außerdem waren die Anlagen Fluchtorte für Tage oder Wochen, keine dauerhaft bewohnten Städte.
Veraltet. Für ausländische Besucher sind die Preise der staatlichen Stätten inzwischen in Euro festgelegt: Derinkuyu und Kaymaklı je 13 €, Özkonak 6 €, Mazı 3 € (Stand 09/2026). Die Lira-Preise, die man online findet (200 TL), gelten nur für türkische Staatsbürger.
Dieser Betrag steht tatsächlich noch auf einer veralteten Produktseite von muze.gov.tr, ist aber überholt. Das offizielle Portal turkishmuseums.com nennt 65 € für 3 Tage.
Nur türkische Staatsbürger. Touristen können die Müzekart nicht erwerben.
Die Stockwerkszahlen gehen wild durcheinander (5, 8, 11, 18). Offiziell belegt sind nur die Tiefe von rund 85 m und die Aussage, dass etwa 10 % der Anlage begehbar sind. Für Kaymaklı nennt das Ministerium vier freigelegte und geöffnete Geschosse – nicht fünf, wie u. a. in der deutschsprachigen Wikipedia steht.
Eine Vermutung, kein begehbarer oder vollständig nachgewiesener Gang. Besichtigen kann man davon nichts.
Möglich, aber nicht gesichert; ebenso wenig die Phryger-These. Gesichert ist der Ausbau in byzantinischer Zeit.
Das war von 2003 bis 2015 so. Seit Juli 2015 ist die Anlage wieder offiziell geöffnet.
Nein, man muss in Nevşehir umsteigen.
Geschichte in Kürze
- Das türkische Kulturministerium schätzt die Zahl der unterirdischen Siedlungen in Kappadokien auf 150 bis 200, in sehr unterschiedlicher Größe; die deutschsprachige Wikipedia spricht von 36 entdeckten Städten. Gemeint sind jeweils unterschiedliche Größenklassen – die Zahlen widersprechen sich nicht zwingend.
- Wer zuerst gegraben hat, ist nicht geklärt. Genannt werden Hethiter (so das offizielle Portal für das oberste Geschoss von Kaymaklı) und Phryger (8.–7. Jh. v. Chr.); archäologisch gesichert ist keine der beiden Zuschreibungen. Sicher ist nur, dass die christliche Bevölkerung den Anlagen zwischen dem 6. und 10. Jahrhundert ihre heutige Form gab.
- Der große Ausbau fällt in die Zeit der arabisch-byzantinischen Kriege (ca. 780–1180), als die Bewohner der Hochebene bei Überfällen mitsamt Vieh und Vorräten unter die Erde auswichen. Auch bei den Mongoleneinfällen des 14. Jahrhunderts wurden die Anlagen noch genutzt.
- Die niedrigen, engen und abschüssigen Gänge sind keine Bequemlichkeitsfrage, sondern Verteidigungsarchitektur: Eindringlinge mussten einzeln und gebückt gehen. Verschlossen wurde mit mühlsteinförmigen Rollsteinen, die sich nur von innen bewegen ließen.
- Die kappadokischen Griechen nutzten die Anlagen bis ins 20. Jahrhundert als Zuflucht. Der Cambridge-Linguist R. M. Dawkins hielt fest, dass sich 1909 nach der Nachricht von den Massakern in Adana ein großer Teil der Bevölkerung von Axo für einige Nächte unter die Erde zurückzog. Mit dem griechisch-türkischen Bevölkerungsaustausch 1923 wurden die Tunnel aufgegeben.
- Derinkuyu wurde 1963 zufällig wiederentdeckt, als ein Hausbesitzer hinter einer Kellerwand auf einen Hohlraum stieß; seit 1965 ist die Anlage für Besucher geöffnet. Kaymaklı öffnete bereits 1964, Özkonak 1972, Tatlarin 1991.
- Die oft genannte Zahl von 20.000 Bewohnern für Derinkuyu ist eine Schätzung ohne archäologischen Beleg. Die deutschsprachige Wikipedia gibt die Spannbreite der Schätzungen mit 3.000 bis 50.000 an, für Kaymaklı mit 3.000 bis 15.000. Das offizielle Portal nennt gar keine Personenzahl und spricht bei Kaymaklı lediglich davon, dass die vielen Vorratsräume auf eine beträchtliche Zahl von Menschen schließen lassen – und von einem vorübergehenden Aufenthalt, nicht von dauerhaftem Wohnen.
- Ein 8–9 km langer Verbindungstunnel zwischen Derinkuyu und Kaymaklı wird in fast jedem Reiseführer erwähnt. Er ist eine Vermutung: begehbar ist er nicht, und ein durchgehender Nachweis ist nicht publiziert.
Häufige Fragen
Was kostet der Eintritt in Derinkuyu und Kaymaklı?
Ausländische Besucher ab 8 Jahren zahlen in beiden Städten je 13 € (Stand September 2026). Ermäßigungen für ausländische Kinder, Studenten oder Senioren gibt es nicht, nur Kinder unter 8 Jahren sind frei. Özkonak kostet 6 €, Mazı 3 €, Tatlarin ist kostenlos.
Derinkuyu oder Kaymaklı – welche unterirdische Stadt ist besser?
Derinkuyu geht tiefer (rund 85 m) und wirkt dramatischer, verlangt aber einen langen Abstieg durch einen niedrigen Treppengang. Kaymaklı ist breiter angelegt, hat mehr unterschiedliche Räume auf vier Ebenen und kürzere Engstellen. Für Menschen mit leichter Platzangst, Rückenproblemen oder Kindern ist Kaymaklı die bessere Wahl; wer das Extrem sucht, nimmt Derinkuyu.
Wie lange dauert der Besuch?
Für den markierten Rundgang sollte man 45 bis 90 Minuten pro Stadt rechnen, abhängig vom Andrang in den Gängen. Geführte Tagestouren planen meist nur 45 bis 60 Minuten ein.
Ist Derinkuyu bei Platzangst machbar?
Eher nicht. Die Gänge sind bewusst eng und niedrig angelegt, man geht längere Strecken gebückt und kann bei Gegenverkehr nicht ausweichen oder umkehren. Wer unsicher ist, testet zuerst die oberen Räume oder eine kleine Anlage wie Özkonak und entscheidet dann.
Braucht man eine Führung oder einen Guide?
Nein, die Rundwege sind mit Pfeilen ausgeschildert und man darf allein hinein. Allerdings gibt es unten kaum Erklärungen; ohne Guide sieht man vor allem leere Felsräume. Lizenzierte Guides warten an den Eingängen – Preis und Sprache vorher klären.
Wie kommt man von Göreme zu den unterirdischen Städten?
Ohne Auto zuerst mit dem Dolmuş nach Nevşehir und dort in den Minibus Richtung Derinkuyu/Niğde umsteigen; er hält nach 20 km in Kaymaklı und nach 30 km in Derinkuyu. Bequemer sind Mietwagen, Taxi oder die Green Tour, die eine unterirdische Stadt mit dem Ihlara-Tal und Selime kombiniert.
Lohnt sich der Museum Pass Cappadocia?
Er kostet 65 € und gilt drei Tage für mehr als zehn staatliche Stätten in Nevşehir und Aksaray. Rechnerisch lohnt er sich erst, wenn man neben zwei unterirdischen Städten auch das Freilichtmuseum Göreme, Zelve und das Ihlara-Tal besucht. Für die Dunkle Kirche und für Abendöffnungen gilt er nicht.
Wie kalt ist es in den unterirdischen Städten?
Rund 13 °C, das ganze Jahr über. Im Sommer ist eine leichte Jacke angenehm, im Winter ist es unten wärmer als an der Oberfläche.
Sind die unterirdischen Städte für Kinder geeignet?
Für Kinder ab dem Grundschulalter meist ein Höhepunkt der Reise, weil sie sich in den niedrigen Gängen frei bewegen können. Für Babys und Kleinkinder ist der Besuch mühsam: Kinderwagen geht nicht, Rückentragen sind zu hoch.
Haben wirklich 20.000 Menschen in Derinkuyu gelebt?
Das lässt sich nicht belegen. Die Zahl ist eine von vielen Schätzungen, die zwischen 3.000 und 50.000 liegen, und das Kulturministerium nennt selbst keine. Nach heutigem Verständnis dienten die Anlagen als zeitweiliger Zufluchtsort bei Überfällen, nicht als dauerhafter Wohnort.
Kann man die 2014 entdeckte Stadt unter der Burg von Nevşehir besichtigen?
Ja, die Anlage heißt Kayaşehir, wird von der Stadt Nevşehir betrieben und ist nach Angaben von Wikivoyage seit 2024 geöffnet. Aktuelle Öffnungszeiten und Preise sollte man vor Ort erfragen; der staatliche Museum Pass gilt dort nicht.
Quellen
19 Quellen anzeigen – alle Angaben dieser Seite sind belegt
- www.turkishmuseums.com/museum/detail/2203-nevsehir-derinkuyu-ye… – Derinkuyu: Preis 13 €, Öffnungszeiten Sommer/Winter, Kassenschluss, Tiefe 85 m, Schacht 55 m, 10 % zugänglich, Eröffnung 1965, Museum Pass Cappadocia 65 €/3 Tage, Pass gilt nicht für Abendbetrieb
- www.turkishmuseums.com/museum/detail/x/2207/1 – Kaymaklı: Preis 13 €, Öffnungszeiten, 4 beleuchtete Geschosse, 20 km ab Nevşehir, Eröffnung 1964, Parkplatz
- www.turkishmuseums.com/museum/detail/x/2209/1 – Özkonak: Preis 6 €, Öffnungszeiten, zwei Geschosse, 14 km ab Avanos, Eröffnung 1972
- www.turkishmuseums.com/museum/detail/x/2208/1 – Mazı: Preis 3 €, Öffnungszeiten, 2 von vermutlich 4 Geschossen, Sperrung 2003, Wiedereröffnung Juli 2015, Lage
- www.turkishmuseums.com/museum/detail/x/2210/1 – Tatlarin: kostenlos, Öffnungszeiten, Entdeckung 1975, Öffnung 1991, 15-m-Tunnel, Skelettfund
- muze.gov.tr/muze-detay?DistId=DKY&SectionId=DKY01 – Derinkuyu offiziell: Öffnungszeiten 08:00–18:45, Abendbetrieb 19–21 Uhr, Adresse, 150–200 Anlagen in Kappadokien, Beschreibung der Geschosse, Müzekart nur für türkische Staatsbürger
- muze.gov.tr/muze-detay?SectionId=KYY01&DistId=KYY – Kaymaklı offiziell: Öffnungszeiten 08:00–20:00, Adresse, Gänge niedrig/eng/geneigt, vier Geschosse, Andesitblock mit 57 Mulden, ca. 100 Tunnel im Dorf
- muze.gov.tr/urun-detay?CatalogNo=KRT-MSP01-19-001 – Museum Pass Cappadocia: Gültigkeit 3 Tage, Kauf an der Kasse, Dunkle Kirche ausgenommen; veraltete Preisangabe 320 TL
- de.wikipedia.org/wiki/Derinkuyu_(unterirdische_Stadt) – Entdeckung 1963, Schätzungen 3.000–50.000 Bewohner, umstrittene Datierung, vermuteter 9-km-Tunnel, 36 entdeckte Städte
- en.wikipedia.org/wiki/Derinkuyu_underground_city – Geschichte: Phryger-These, arabisch-byzantinische Kriege 780–1180, Mongolenzeit, Aufgabe 1923, Wiederentdeckung 1963
- en.wikipedia.org/wiki/Kaymakli_underground_city – Kaymaklı: Eröffnung 1964, Dawkins-Bericht von 1909, Bevölkerungsaustausch 1923, vier geöffnete Geschosse
- de.wikipedia.org/wiki/Kaymaklı – Kaymaklı: Schätzungen 3.000–15.000 Bewohner; abweichende Angabe von fünf begehbaren Geschossen
- en.wikipedia.org/wiki/Özkonak_underground_city – Özkonak: Entdeckung 1972 durch Latif Acar, Kommunikationsröhren, Löcher über den Tunneln
- en.wikivoyage.org/wiki/Nevşehir – Dolmuş Nevşehir–Kaymaklı–Derinkuyu (Takt, 70 TL Stand 09/2025), Kayaşehir seit 2024 geöffnet
- cappadocianow.com/en/blog/public-transportation-in-cappadocia – Keine Direktverbindung ab Göreme, Umstieg in Nevşehir, dünne Rückfahrten; Green Tour als Alternative
- www.tours-cappadocia.com/derinkuyu-underground-city/plan-your-visit/ – Besuchsdauer 45–90 Min., ca. 13 °C, Stoßzeit 11–14 Uhr, Guides am Eingang, nicht rollstuhlgerecht
- cometocappadocia.com/tour/cappadocia-green-tour-route-price-com… – Green Tour: Route, Dauer 7–8 Std., Preis 2026 ab 75 € inkl. Eintritten und Mittagessen (über Websuche)
- kapadokyalist.com/blogs/kapadokya-gezi-rehberi/nevsehir-kalesi-… – Kayaşehir: Entdeckung 2014, Betreiber Stadt Nevşehir, Eintrittspreise (unbestätigt)
- api.frankfurter.app/latest?from=EUR&to=TRY – Wechselkurs EUR/TRY vom 18.09.2026 (55,91)